Mo
12
Jan
2009
Die ersten 10 Tage 2009
Nachdem mich Paddy noch Mal daran erinnert hat, dass noch keine Bilder von der Herberge oder meinem Zimmer online stehen, habe ich in den letzten Tagen mit einer Kamera bewaffnet, Kollegen und Herbergsgebäuden aufgelauert. Die Kollegen habe ich
zwar noch nicht alle erwischt, aber die restlichen Bilder folgen in den nächsten Tagen. Auf den Außenaufnahmen kann man es vermutlich auch erkennen, hier in St Brieuc ist seit Tagen super Wetter, blauer Himmel und Sonnenschein. Trotzdem schafft es die Bretagne immer wieder das Kunststück, nass auszusehen. Egal ob man durch den Wald läuft und sich über matschige Wege ärgern muss oder einfach nur den Innenhof und die Straßen anschaut, überall sieht es aus wie nach einem Regenschauer - nur geregnet hat es seit einer Woche nicht. Wo genau die Nässe herkommt, hab ich noch nicht herausgefunden, denn auch Raureif sieht man nicht jeden Morgen, vll ist die Luftfeuchtigkeit einfach so hoch.
Doch trotz diesem schönen Wetter hab ich selten so gefroren. Im Hauptgebäude funktionieren die Heizungen im Moment nicht richtig, sie werden zwar lauwarm, aber mehr eben auch nicht. Das hatte zur Folge, dass ich in den ersten Tagen mit dickem Fließ und mehreren Decken in meinem Lesesessel saß, um ohne großes Zittern die Seiten umblättern zu können, echt unangenehm. Auch in der Küche macht man aufgrund der Kälte lustige Erfahrungen. Beim Abwasch viel mir auf, dass fast jedes Messer verbogen ist und ich wunderte mich warum das so ist. Als ich dann auch endlich mein erstes Frühstück hier zu mir nahm (hatte das Glück mehrere Tage hintereinander erst um 11 Uhr anzufangen), merkte ich sofort woran es lag. Das Nutella ist so hart (gefroren?), dass sich das Messer biegt, bevor man es überhaupt geschafft hat, etwas auf dem Brot zu verteilen.
In der letzten Woche mussten mein Mitfreiwilliger Lenard und ich auch zum ersten Mal selber Kochen. Es hatten sich keine Gäste für das Restaurant angemeldet und somit gab es keinen Koch und auch keine Mahlzeiten. Also gingen wir auf Herbergskosten einkaufen und tasteten uns langsam an die verschiedenen Küchengeräte ran. Da unser Koch bisher jede Kleinigkeit an Veränderung bemerkt hatte, seien es auch nur 1 oder 2 fehlende Stück Käse oder sogar geringe Gewürzmengen, reinigten wir nach dem Kochen alles umso gründlicher, um ja keine Spuren zu hinterlassen. Als Marcel, unser Küchenchef, dann Donnerstagmorgen wieder zur Arbeit kam, begrüßte er mich und ging am Herd vorbei zum Abwaschraum, aber auf einmal blieb er wie eingefroren mitten in der Bewegung stehen. Er starrte mit ungläubigem Blick auf seinen Herd und fragte nach einiger Zeit ganz leise, wer denn seinen Herd benutzt hätte. Ich stand daneben und ärgerte mich, dass wir wohl doch etwas übersehen hatte und lief schuldbewusst neben Marcel, der jetzt direkt vor dem Ofen stand. Jetzt war es aber an mir verwundert dreinzublicken, denn selbst aus wenigen Zentimetern Entfernung konnte ich weder einen Krümel noch einen Fleck oder ähnliches erkennen. Während ich weiter nach Auffälligkeiten Ausschau hielt, meinte Marcel nur, es sei nicht schlimm, wir sollten nur das nächste mal mit dem Lappen drüber gehen. Irgendwie hat er es geschafft im Vorbeigehen Dreck zu entdecken, den ich weder beim Putzen, noch beim genauen Betrachten erkennen konnte.
Heute hatte ich einen meiner freien Tage diese Woche und so kam mal wieder der Tourist in mir durch. Mit einem Lunchpaket und meiner Kamera im Gepäck, ging es nach Morlaix, Département Finistière. Nach einer Stunde im TGV am Ziel angekommen, nahm ich den Rundgang aus meinem Reiseführer in Angriff, der nur leider allzuschnell vorbei war. Morlaix, früher einmal die drittgrößte Stadt der Bretagne, hat an Sehenswürdigkeiten leider nicht so viel zu bieten, dass ich mich einen ganzen Tag dort beschäftigen könnte. Trotzdem gab es einige Orte mit echt schönen Ausblicken, die man bald bestimmt auch als Photo auf meiner Seite finden kann. Während ich noch etwas durch den Hafen schlenderte entdeckte ich eine Zigarrenmanufaktur, die ich mir sofort anschauen wollte. Aber das Gebäude für heute für allesmögliche genutzt, nur eben nicht mehr zum Zigarren herstellen, so viel das Suchen nach einem Mitbringsel aus und ich ging zurück zum Bahnhof, um mit einer Regionalbahn noch mal ans Meer nach Roscoff zu fahren. Aus diesem Ort legen die ganzen Fähren nach Irland und England ab, so hoffte ich auf einige schöne Bilder. Zurück am Bahnhof stellte ich leider fest, dass Morlaix zwar stündlich von 2 TGV aus Paris und Brest angefahren wird, aber die Regionalbahnen nur sehr unregelmäßig fahren. So war ich leider vorerst gezwungen, den Roscoff-Trip zu verschieben und fuhr etwas enttäuscht nach St Brieuc zurück.
Degemer Mat! - Herzlich Willkommen!


