So
08
Feb
2009
Bretagne im Sturm
Zugegeben einen richtigen Sturm hatten wir hier nicht, eher die Ausläufer des Sturmes, der in Südfrankreich und Nordspanien wütete, aber beeindruckend war es trotzdem.

Ich fuhr genau zu der Zeit mit Lenard und Nina nach Brest , für eine typische Städtetour. Nachdem uns aber wirklich jeder sagte "Brest ist hässlich, da gibt es nix zu sehen. Außer vielleicht Océanopolis", entschieden wir uns spontan wegen des windigen Wetters weiter bis an die Küste zu fahren. Da in Brest aber die Schienen einfach aufhören, mussten wir erstmal in einen Bus umsteigen.
Unser neuer Zielort war jetzt Le Conquet, war nicht groß ausgearbeitet, sondern einfach auf einer Landkarte nach einer Stadt geschaut, die leicht zu erreichen ist und direkt am Atlantik liegt. Hinzu kam, dass Le Conquet einer der westlichen Punkte Frankreichs ist und so erhofften wir uns eine aufgewühlte See.
Dort angekommen trat aber erstmal Ernüchterung ein, Nina kommentierte sogar "Wir sind da? Bitte nicht!" - und wirklich, es gab an sich nix zu sehen. Grauer Himmel, tote Straßen einer Kleinstadt und der Ausblick auf eine wegen Ebbe leergelaufene Bucht.

So schlenderten wir ohne großen Elan richtung Meer. Die leergelaufene Bucht überquerten wir über eine kleine Brücke und gelangten so auf eine Landzunge, hinter der sich schon ein anderes Bild bieten sollte. Vor uns lag ein Strand mit sich an Steinen brechenden Wellen und am Himmel zogen schwarze Wolken auf. Sofort war die Langeweile dahin und wir schossen Fotos und hatten Lust weiter am Meer entlangzulaufen. Da wir mittlerweile schon wieder Flut hatten, stieg das Wasser stetig und bescherte uns noch tolle Momente, weil die anrollenden Wellen immer größer worden und sich spektakulärer an der Küste brachen.

Nach kurzer Zeit erreichten wir eine Ecke, über die der Wind ohne Hindernis drüber fegte, echt ein geiles Gefühl, wenn man sich bei jedem Schritt gegen den Wind lehnen muss, um geradeaus laufen zu können. Nachdem wir an diesem Punkt einige Zeit mit nix tun verbrachten promenierten wir weiter zu einer kleinen Halbinsel auf der quer verteilt ca. 15 Männer in Oliv und einer in Gelb herumstanden. Während ich noch über das lustige Bild schmunzelte, kamen uns ein Dutzend kleiner Hunde entgegen, die kurz um uns herumwuselten und danach unauffindbar im Gestrüpp verschwanden. Die Herren in dunkelgrünen Regenjacken stellten sich als Hasenjäger heraus, die mehrfach betonten, dass sie ohne Gewehr, nur mit Hunden und Händen jagen.

Wir verabschiedeten uns und setzten unseren Spaziergang fort. Das Ziel sollte auch gleichzeitig der Höhepunkt des Tages werden. Ganz am Ende der Halbinsel wartete eine weitere Insel, auf der sich eine Burgruine gegen den Wind stemmte. Tiefes grünes Gras umrahmt von alten Steinmauern in absoluter Windstille. Dieser Augenblick war schon fast magisch. Gerade noch ein ununterbrochenes Rauschen im Ohr und großer Druck auf dem Körper, jetzt fast das genaue Gegenteil. Wie liefen ein wenig auf dieser Burg herum, konnten uns aber nicht allzulang aufhalten, denn sie war nur bei Ebbe zu Fuß zu erreichen und der Übergang wurde immer kleiner. Wieder zurück auf "festem" Boden stellten wir fest, dass wir nur eine Minute später nicht trockenen Fußes zurückgekommen wären.
Ich spiele immer noch mit dem Gedanken in den Sommermonaten noch einmal nach Le Conquet zurückzukehren und auf dieser Burg zu zelten, stell ich mir ziemlich cool vor.
Ein paar schritte weiter standen wir plötzlich vor einem Bunker, wir vermuten aus dem 2. Weltkrieg. Man könnte meinen, wir hätten eine Zeitreise hinter uns ;).
Ausklingen ließen wir unseren Aufenthalt am Atlantik bei einem kleinem Pique-Nique in Nähe der Bushaltestelle, von der aus es zurück nach Brest gehen sollte.
Brest selbst war aus meiner Sicht ein ziemlicher Reinfall. Dort angekommen marschierten wir zur nächst gelegenen Bushaltestelle, um zur Jugendherberge zu gelangen. Es gab 2 Linien und wir hatten genau die falsche gewählt, da wir aber den Weg als nicht allzulang einstufte, machten wir uns zu Fuß auf den Weg - ein großer Fehler. Wir liefen ungefähr eine Stunde durch Dunkelheit im Hafenviertel und das mit schweren Rucksäcken, die wir schon seit den Morgenstunden mit uns herumschleppten.
Nach Pasta in der Herbergsküche setzten wir uns nochmal kurz in eine kleine Kneipe im Hafen und waren alle froh endlich ins Bett zu kommen.

Der nächste Tag sollte mit Océanopolis beginnen, die einzige Sache, die Brest sehenswert machen sollte, also hatten wir hohe Erwartungen.
Wir begannen im Antarktisbereich und die Pinguine waren wirklich cool, wenn auch die ganze Kulisse ziemlich billig wirkte. Danach wurde es aber nur noch schlechter, sehr kleine Aquarien, die lieblos gestaltet sind reihten sich aneinander. Einzig das Haifischbecken hatte nochmal etwas besonderes, aber war einfach auch nicht spektakulär und so gingen wir alle mit der Meinung raus, war ok, aber den Eintritt nicht wert.
Danach fuhren wir erstmal in die Innenstadt zum Mittagessen, was relativ gut war, irgendeine Pasta-Fast-Food-Kette. Jetzt trennten sich aber auch unsere Wege, ich wollte gerne die Marinebasis in Brest sehen, die anderen hatten nicht mehr ganz so viel Unternehmungswillen und so zog ich allein los. Am Eingangstor kam mir auch gleich ein Pförtner entgegen, allerdings nur um mich darauf hinzuweisen, dass die Anlage nur in den Sommermonaten für Besucher geöffnet ist, mein betteln brachte auch nix, aber er empfahl mir noch einen Weg, von dem ich einen super Ausblick hätte. Nur leider verstehe ich unter super Ausblick etwas anderes. Es nieselte durchgehend und man konnte ca. 100m weit schauen. Hinzu kam, dass ich kilometerweit links und rechts von mir einen 3 m hohen mehrfach abgesicherten Elektrozaun hatte. Auch ne Erfahrung für sich, aber nicht das, was ich haben wollte und so kehrte ich leicht gefrustet zurück zum Bahnhof und weiter nach St Brieuc. Von Brest selbst bleiben mir also nicht allzu gute Erinnerungen hängen.
Degemer Mat! - Herzlich Willkommen!


