Mi
04
Mär
2009
Februar 2009
Hier ein paar Auszüge aus dem Halbjahresbericht an meine Orga:
Spenderbericht Februar 09
Obama n'a pas une baguette magique!
Diesen Satz las ich am 5. November in der Regionalzeitung und musste darauf ganz schön schmunzeln, denn in meinem Kopf hatte ich das Bild des Zauberers Obama der wild mit einem funkensprühendem
Baguette herumwedelt. Ich dachte mir schon, dass wahrscheinlich ein normaler Zauberstab gemeint ist und nach kurzer Nachfrage bei einer Kollegin wusste ich, dass Baguette nicht nur das Brot
bezeichnet, sondern generell Stab oder Stock heißt. Die Vorstellung, wie sich Obama mit Baguette in der Hand daran macht Probleme zu lösen, gefällt mir aber immer noch ;).
Ich habe jetzt ungefähr die Hälfte meines FSJs hinter mir und genieße die Zeit im Moment ziemlich. Wir haben Ende Februar und gerade bin ich vom Strand zurückgekehrt. Das Wetter ist echt einmalig und
passt nicht zu meiner Vorstellung von typischem Februartemperaturen. Seit Tagen laufe ich nur noch im T-Shirt herum und erfreue mich am Azurblauem Himmel und warmen Temperaturen. Um dieses Wetter
optimal zu nutzen war ich letztes Wochenende mit 2 Freunden in einer Herberge ca. 100km entfernt, die eigentlich nur im Sommer geöffnet hat. Glücklicherweise haben wir den Schlüssel bekommen und so
hatten wir eine komplette Jugendherberge für uns allein. Das beste: Sie lag direkt am Strand! So verbrachten wir auch den Nachmittag und frühen Abend im weichen Sand sitzend. Erst als es dunkel war,
wurde es uns in Pullovern zu kühl und wir gingen in die Küche, um uns etwas zu kochen. Da die Paarung aus Strand und Sonne für mich bisher immer Sommerurlaub bedeutete, nutze ich den nächsten Morgen
und schwamm eine kleine Runde im Ärmelkanal, aber spätestens die Wassertemperaturen machten mir klar, dass wir doch noch Februar haben.
Aber auch an meiner Arbeitssituation hat sich etwas geändert. Zum ersten Februar habe ich einen neuen Chef bekommen, Jean-Pierre. Er ist ca. 50 Jahre alt und wenn man mit ihm ins Gespräch kommt,
merkt man schnell, dass er viel zu erzählen hat. Er hat beispielsweise schon in 15 verschiedenen Ländern gearbeitet. Bevor er in einer Jugendherberge anfing war er mit dem Rotem Kreuz und privaten
Tourismusunternehmen unterwegs. Auch auf meinen Arbeitsplan hatte es Auswirkungen, wenn aber keine gravierenden. Ich arbeite im Schnitt 5 Stunden mehr pro Woche, dafür sitze ich häufiger an der
Rezeption und putze gleichzeitig weniger. Da ich das Betten machen und Zimmer putzen nie sonderlich spannend fand und man im Büro einfach weitaus mehr Kontakt zu Gästen hat, finde ich die erhöhten
Arbeitszeiten im Moment noch nicht weiter schlimm.
Ziemlich fasziniert hat mich auch eine Fernsehansprache von dem frz. Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Grund dafür war die soziale Krise in Frankreich, die sich aber deutlich stärker in den
Überseegebieten Frankreichs zeigt. Kein Tag wo nicht von Ausschreitungen und Straßenbarrikaden auf den französischen Antillen in der Zeitung zu lesen ist. Am Abend des Sozialgipfels in Paris nutze
Sarkozy 10 Minuten der „französischen Tagesschau" für eine live übertragene Direktansprache an das französische Volk, seine „chers compratiotes". Wenn ich mir vorstelle, dass Horst Köhler oder Angela
Merkel 10 Minuten der Tagesschau in Anspruch nehmen, muss es schon eine wirklich schlimme Krise sein und so war ich von dieser Rede schon stark beeindruckt. Als ich am nächsten Tag mit meinen
Kollegen und meinem Chef drüber redete aber überall die gleichen Reaktionen: „Sarkozy redet viel, passieren tut eh nix", „Für uns macht der eh nix, denkt nur an die Reichen" Sätze dieser Art gepaart
mit einem Augenrollen und einer abwertenden Handbewegung.
Die Franzosen haben ein sehr angespanntes Verhältnis zur Politik. In Deutschland kommt es natürlich auch vor, dass man unzufrieden mit der Regierung ist, aber hier habe ich ab und zu das Gefühl, dass
Sarkozy wirklich gehasst wird, etwas dass ich so aus Deutschland auch nicht kenne.
Zum Abschied wähle ich die gleichen Worte, die ich in der gerade angesprochenen Rede hören durfte:
Mes chers compatriotes, vive la république! Vive la France!
Schöne Grüße nach Deutschland,
Lennart
Degemer Mat! - Herzlich Willkommen!


